Historie II

Impressum

[Home]
[Essen]

 

 

Das Ende
Am 6. Mai 1888, es war ein Sonntag, der nicht den arbeitsfreien Charakter unserer Tage hatte, kam das aus für die erste Essener Privatpost: Feldhaus stellte seinen Betrieb ein, ließ die Briefkästen entfernen und verließ mit seinen Markenbeständen Essen.

Rheinisch-Westfälische Zeitung 9. Mai 1888

Aus der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung“ vom 9. Mai 1888

Der immer wieder gelesenen Version, Feldhaus sei mit der Kasse verschwunden, kann ich so nicht folgen, denn bei einem Betrugsmanöver größeren Stils wäre dies bestimmt der Tageszeitung mehr als 4,5 Zeilen Wert gewesen. Natürlich nahm Feldhaus seine (!) Kasse mit; er liquidierte seinen Betrieb, der ihm nicht so ganz den gewünschten finanziellen Erfolg beschert hatte, ordnungsgemäß; Feldhaus ließ sogar die Briefkästen abnehmen. Das sieht nicht nach einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ aus! Untermauern möchte ich meine Annahme durch einen Hinweis in den „Neuesten Privatpost-Nachrichten“ vom Juni 1888, in denen es heißt:
 „ESSEN. Vom Unternehmer, der verzogen ist, wurden uns noch 4 neue Werthzeichen (damit ist die vorletzte Serie „Briefbote auf Erdkugel“ gemeint) eingesandt, welche wir erst heute melden, nachdem genauere Informationen ergeben haben, dass diese Marken am … April in Cours gekommen sind. (…) Dagegen sind 3 Werthe Massensendungsmarken (Querformat) obwohl noch in geringen Mengen an das Publikum verkauft, nicht mehr zur Verwendung gekommen.“
Feldhaus trieb also nach seinem Umzug aus Essen Handel mit unverkauft gebliebenen Restbeständen seiner Marken! Hätte er in Essen nur Schulden hinterlassen, die Polizei wäre ihm autoritär geführten Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts schnell auf die Spur gekommen … Danach wird es dunkel um Louis Feldhaus, der sicherlich mit seinen Kapriolen die Essener Postgeschichte und sich selbst bereicherte – so oder so.

 

Auf ein neues
Obwohl in anderen Orten Privatpostanstalten florierten, ist es in Essen still. Die folgenden Jahre hatte die Reichspost keine Konkurrenz hier zu fürchten, so sehr blieben die schlechten Erfahrungen durch Louis Feldhaus bei den Behörden haften. Unternehmen aus Halle/Saale, Magdeburg, Sudenburg, Posen, Hannover und Nürnberg bewarben sich zwar in Essen, erhalten aber mit dem Verweis auf das verkehrspolitische Interesse eine schrofe Ablehnung. Unter den Bewerbern ist auch ein „Privatpostdirektor“ Charles (Carl August Ferdinand) Spribille aus Würzburg, der am 13.12.1896 ein Gesuch an „einen hohen Magistrat der Stadt Essen“ richtet. Dieser sollte ihm gestatten, eine Privat-Brief-Post mit gleich 120 Briefkästen zu etablieren. Er sagte günstige Tarife und eine seriöse Geschäftspraxis zu. (Wohl wissend, das es um seine wirtschaftliche Lage seines derzeitigen Geschäfts nicht gut bestellt ist!) Hartnäckig wiederholt er sechs Wochen später seinen Antrag mit der Bemerkung, er könne sich eines „ungetrübten Leumunds erfreuen und glaube, die zum Betriebe einer Privaten Brief- oder Packetbeförderungsanstalt erforderliche Zuverlässigkeit insbesondere in sittlicher und finanzieller Beziehung zu besitzen.“ Spribille wollte sogar eine Kaution in Höhe von 1000 Mark sofort hinterlegen. Da die Briefkästen nur eine bescheidene Tiefe von 20 cm hätten und in Nischen der Privathäuser anzubringen wäre, ließ er das Argument eines verkehrspolizeilichen Interesses nicht gelten. Aber auch dieses Gesuch lehnte die Obrigkeit mit einem Federzug ab. Carl August Ferdinand Spribille hatte beim Infanterieregiment 128 zu Danzig gedient und war von Beruf Buchdrucker. Im August 1896 übernahm Spribille, der seinen Vornamen durch eine französische Version ersetzte, das Würzburger Privatpostunternehmen Herion, womit er aber schon zum Ende des gleichen Jahres in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Zur gleichen Zeit, als Spribille in Essen um die Genehmigung buhlte, verkaufte er sein marodes Unternehmen an den Orgelbauer Andreas Rett (13) weiter. Das Herion-Unternehmen gründete viele Privatpostanstalten im damaligen Deutschen Reich, wohl mit dem Hintergedanken, die Firmen kurzfristig mit Gewinn zu veräußern, so in Mühlhausen (Elsaß), Augsburg, Würzburg, Ludwigshafen und Karlsruhe. In den ersten drei Orten verwendete Christian Gottlieb Herion Wertzeichen mit gleicher Darstellung: das Wappen der Familie Herion und die Firmenbezeichnung „Stadt-Brief-Packet-Beförderung“. Spribille aber – obwohl noch irgendwie mit dem kränkelnden Würzburger Unternehmen verbunden – sucht sein Glück in Essen und schafft hier vollendete Tatsachen, Betriebsamkeiten, die selbst den Ordnungshütern nicht verborgen bleiben konnten: Am 1. Und 2. März 1897 läßt er trotz des behördlichen Verbots Briefkästen an der Straßenfront anbringen, die sogleich wieder entfernt werden müssen. Eine weitergehende Handhabe hat die Polizeiverwaltung gegen den Unternehmer nicht, denn es fehlt an gesetzlichen Bestimmungen. Am Mittwoch, 3. März 1897 schaltete Spribille in der „Essener Volks-Zeitung“ folgende Anzeige, aus welcher eindeutig hervorgeht, daß die Geschäftseröffnung für den nächsten Tag vorgesehen ist.

Essener Volks-Zeitung 3. März 1897.tif

Anzeige 3. März 1897 Essener Volks-Zeitung

Obwohl im Februar noch vom 1.3.1897 in einer Annonce die Rede war, verzögerte sich der Beginn um wenige Tage. Auch der Lokalteil dieser Zeitung berichtete am 3. März über das neue Unternehmen:

„COURIER“ PRIVAT-BRIEF-UND PACKET-BEFÖRDERUNG. Am 4. Ds. Mts. Soll auch hier wie in allen größeren Städten Deutschlands ein derartiges Institut eröffnet werden. Es werden innerhalb der Stadt Briefe bestellt: Briefe für 3 Pfg., Kartenbriefe für 3 Pfg., Courier-Karten für 2 Pfg. und Drucksachen bis zu 60 Gramm für 2 Pfg. Zur schnelleren Beförderung der entlegenen Stadtteile werden 5 Briefträger mit Fahrrad ausgerüstet werden.“

Bei dem Eröffnungsdatum des „Courier“ irren wieder alle bedeutenderen Quellen, wie der Michel-Katalog (1.3), Hugo Rieth (1.3), Meier zu Eissen (15.6), das Schmidt-Handbuch (15.6) und Martner in der „Sammler-Lupe“ (1.3). Spribille führte die Essener Niederlassung zusammen mit dem Andreas Rett als Teilhaber. Ende Juli 1897 geriet das Würzburger Rett-Unternehmen in Geldschwierigkeiten und wird aufgegeben. Der Essener „Courier“ war also durch Spribilles Kompagnon geschäftlich aufs engste mit Würzburg verbunden! Dreh- und Angelpunkt des Essener Unternehmens ist seine „Hauptexpedition“ im I. Hagen 40 neben der Feuerwache, Seinen Wohnsitz dagegen hatte der Inhaber, der am 19. Februar 1897 aus Würzburg kommend hier zuzog, wie es sich für einen „Durchreisenden“ gehörte, in der Wirtschaft Stinnesbeck, Brandstraße 5, Essen Innenstadt.

 

Was gab´s an Briefmarken?
Die „Markenproduktion“ reichte bei weitem nicht an die enormen Mengen von Louis Feldhaus heran! Nur 4 Werte künden von der zweiten Essener Privatpost unter der Leitung von Charles Spribille. Die ursprünglichen Herion-Marken waren keine Massenproduktion. Mühsam stellte sie der Drucker mit nur einem Klischee im Buchdruck her: Jeder Druckvorgang brachte im Gegensatz zur sonst üblichen Bogenanordnung nur ein Wertzeichen hervor. Das bereits in Würzburg zur Markenherstellung benutzte Klischee brachte Spribille neben den dort verwendeten Marken mit nach Essen. Als gelernter Buchdrucker fiel es ihm selbstverständlich nicht schwer, mit einer unkomplizierten Druckpresse für Nachschub zu sorgen. Die erste „Essener“ Ausgabe ist mit der Würzburger identisch und nur am Entwertungsstempel zu erkennen. Eine weiter Besonderheit fällt bei dieser Briefmarke auf. Es fehlt einer Wertangabe. In einer Abhandlung über die Würzburger Privatpost (14) liefern die Autoren den Grund für die Aptierung (Entfernung) der Wertziffern. Wegen niedrigerer Ortstarife in Bayern und Württemberg (deren Postwesen seinerzeit noch selbstständig war) als bei der Reichspost, mußte Herion, der diese Tatsache wohl nicht bedacht hatte, aus Konkurrenzgründen für Würzburg (Bayern) schnell eine Marke mit einem neuen – reduzierten – Wert herstellen, das diese Ausgabeursprünglich mit 3 Pfennig vorgesehen war. Mit den bereits gedruckten Marken spielten die Kinder, und Herion entfernte kurzerhand im Klischee fein säuberlich die Ziffern durch Ausstanzen. Somit ist die erste Essener Courier-Marke eigentlich nur ein 2 Pfennig-Wertzeichen.

 

Würzbuger Marke in Essen

Die Würzburger Marke, in Essen benutzt

 

Wegen der fehlenden Nominale und damit verbundenen Unklarheiten nahm Spribille mit einem schwarzem Handstempel „2“ einen Überdruck (in 2 Typen) vor.

Würzbuger Marke in Essen Überdruck

Diese Ausgaben machen einen sehr unsauberen, primitiven Eindruck. Im Juni 1897 erscheinen „vernünftige“ Briefmarken, die keinesfalls die Erinnerung an Rabattmarken wie die mit dem Herion-Wappen hinterließen. Würdevoll blickt Alfred Krupp vom Sockel des Denkmals (2 Pfg. für Karten und Drucksachen), und das Essener Wappen schmückt die 3 Pfennig-Marke für Stadtbriefe. Übrigends: das Essener Krupp-Denkmal steht heute vor der Essener Marktkirche.

  Essen Courier Stadtpost  

Dem Unternehmer Spribille war es nicht daran gelegen, durch eine Neuheitenflut wie sein Vorgänger Louis Feldhaus bei Sammlern und Kunden schnell Kasse zu machen. Dazu hätte er eigentlich als gelernter Buchmacher alle Vorraussetzungen mitgebracht. Nein, er spekulierte auf die Kaution der Angestellten. So kam´s dann auch: Carl August Ferdinand Spribille verschwand im Sommer 1897 unter Mitnahme dieser Gelder. Ein Strafverfahren gegen ihn war die logische Folge. Wie man hinterher hörte, warteten die Angestellten oft vergeblich auf ihre Löhne …

 

Neues Spiel, neues Glück.
Wer nichts wird, wird Wirt.“  Diese geflügelte Wort hatte nachweislich für einen neuen Inhaber des Essener „Courier“ keine Bedeutung. Ehemals Zechen- und Sparkassenbeamter, danach Gastwirt, hatte es der Steeler Bürger Max Vogelsang zu einigem Vermögen gebracht. Dieses finanzielle Polster setzte Vogelsang ein, um das Führungslose Unternehmen im Sommer 1897 zu erwerben. Die Leitung allerdings übertrug er seinem Schwager (nicht Bruder, wie z.B. der Michel Katalog schreibt) Hubert Vogelsang, einem früheren Gärtner. Bei dessen Abwesenheit leitete den Essener  „Courier“ ein ehemaliger Komiker aus dem Köllner Millowitsch-Theater, Julius Fischer! Doch die Branchenfremden Vorbildungen waren kein Hinderungsgrund für das erstmalige Blühen einer Essener Privatpost. Durch zufriedene Kunden, niedrige Tarife, Zuverlässigkeit und gute Lohnzahlungen gab es keinen Anlaß zu Klagen. Selbst die Angestellten brauchten keinen Pfennig Kaution zu stellen und erhielten – erstmalig – pünktlich ihr Gehalt. Unterschlagungen sind nicht bekannt geworden. All dieses Lob gipfelte in folgender Bemerkung der Essener Polizeiverwaltung (15), wonach das Unternehmen jetzt wohl lebensfähig sei. Vor allen Dingen lockten Vogelsangs günstige Tarife, und sie bescherten ihm viele treue Kunden. Trotzdem gehörten wegen der wieder nur kurzen Existenz dieser Anstalt und der früheren Nichtbeachtung durch Sammler gebrauchte Wertzeichen, Ganzsachen oder gar Briefe zu den Juwelen deutscher Privatpostausgaben. Vogelsang benutzte die Briefmarken seines Vorgängers (Emmision vom Juni 1897, Kruppdenkmal und Stadtwappen, Steindruck) unverändert weiter. Schon Spribille hatte mit der Herstellung dieser Ausgabe den Essener Drucker H.L. Geck betraut. Mir persöhnlich gefallen jene beiden Wertzeichen wegen ihrer Schlichtheit und Ausführung am besten.

 

Bogenrand Kruppdenkmal

Bogenrand mit neuen Werten „Kruppdenkmal“ und Druckvermerk. Der Originalbogen bestand aus 200 Marken

Bereits nach sechs Monaten verkaufte Vogelsang seinen Betrieb an den nunmehr letzten Inhaber des „Courier“, anton Geiss. Im Jahr 1898 warb er mit einer Anzeige, aus welcher ich den Titel für diesen Forschungsbericht herleitete:
„Courier“ Privat-Brief-, Geld- und Packet-Beförderung.
Obriges Institut empfiehlt sich zur Beförderung von Briefen, Geld, Packeten, Drucksachen, Waarenproben, Reklame etc. et. Innerhalb des Stadtbezirkes Essen … sämmtlichen Bewohnern von Essen zum regen Gebrauche…“

Wertzeichen und Karten waren laut Annonce bei der Direktion sowie fast allen größeren Kolonial- und Zigarrengeschäften zu haben. Seinen Sitz hatte das Unternehmen in der Rottstraße 23 im Stadtzentrum.

Essen Rottstr. 23

Rottstraße. Das Büro im Hause 23 befand sich in einem der hohen Häuser am linken Bildrand

Anton Geiss beauftragte wiederum die Firma Geck mit der Herstellung von Wertzeichen – ebenfalls die bereits von Spribille und Vogelsang verwendeten, allerdings in geänderten Farben, wobei etliche Nuancen zu beobachten sind. Es gibt auch in meiner Sammlung ungezähnte Stücke, die aus Restbeständen stammen. Doch mit der Seriosität des Unternehmers war es bald vorbei. Bereits am 21.11.1897 meldete der „Generalanzeiger“:

Generalanzeiger 21.11.1898

 

Aus diesem Text läßt sich als firmenende Freitag, der 18.11.1898 ermitteln. Briefkästen blieben ungeleert und quollen über, was eine polizeiliche Entfernung dieser Einrichtung bewirkte. In der „Essener Volks-Zeitung“ (22.11.1898) fiel die Todesanzeige des „Courier“ sogar noch spärlicher aus:

 

XEssener Volks-Zeitung 22.11.1898

Essener Volks-Zeitung 22.11.1898

 

Die Reichspost beseitigt die privaten Posten
Dem Generalpostmeister des Deutschen Reiches, Heinrich von Stephan, waren die Privatpostanstalten schon immer ein Dorn im Auge, obwohl er nach außen hin beteuert, er „gönne diesen armen Leuten (Zeitungsfrauen) gern ihr Brot; sie sollen diese Beförderung ausführen geradeso, wie wir es der Privatpost gönnen …“.

Dr. Heinrich von Stephan

Generalpostmeister des Deutschen Reiches Dr. Heinrich von Stephan

Trotzdem machte sein Nachfolger, von Podbielski, kurzen Prozeß mit den „Privaten“. Das „Änderungsgesetz von Bestimmungen über das Postwesen“ vom 20.12.1900 verbot in Artikel 3 ausdrücklich Anstalten zur gewerbsmäßigen Einsammlung, Beförderung oder Verteilung von unverschlossenen Briefen, Karten, Drucksachen und Waarenproben … ab 1. April 1900. Zur Entschädigung der vor dem 1.4. 1898 eingerichteten und noch am 31.03.1900 bestehenden Privatbeförderungsanstalten mußte die Post tief ins Geldsäckel greifen: Rund 7,5 Millionen Goldmark war ihr das alleinige Monopol wert. Viele Boten fanden bei der staatlichen Post neue Arbeit oder enthielten Entschädigungszahlungen. Auch den Postbenutzern versüßte der Staat das Verschwinden der privaten Zustelldienste: Er führte ab 1.4.1900 Ortspostkarten zu einen verbilligten Gebührensatz von 2 Pfennig ein.

 

Nachläufer, große Sammler und heutige nicht-postalische Zustellungen
Noch einmal gab es im Jahre 1900 so etwas ähnliches wie eine „Privatpost“ in Essen, deren Tätigkeitsbereich aber nicht über die Mauern des hiesigen Stadtgartens hinauskam: Vom 29. November bis 2. Dezember veranstaltete der Vaterländische Frauenverein dort einen Wohltätigkeitsbazar. Seine Aufgabe bestand darin, Mittel für verwundete Kriegsteilnehmer herbeizuschaffen. Innerhalb dieses Warenverkaufs zu Wohltätigkeitszwecken gab es eine „Poststelle“, die spezielle Klebemarken ohne Frankaturkraft offerierte. „Nicht vergessen sei aber auch am Eingang die Post, die ihre zahlreichen weiblichen Boten mit Ansichtskarten, Krügerpostkarten usw. im Saale herumschwärmen läßt, damit die Gäste nicht vergessen, auch auswärtigen Freunden und Bekannten von dem schönen Essener Bazar zu berichten“, schrieb man damals. Eine  „Essener Bazarpostmarke“ existiert meines Wissens nur noch in 2 Stücken.

   Essener Bazarpost

Essener Bazarpost 1900

Das Sammeln von Privatpostmarken stand am Ende des vorherigen Jahrhunderts in hoher Blüte. Auch die ersten Dekaden dieses Jahrhunderts brachte noch viele große Sammlungen hervor. So finden wir in einem hiesigen Ausstellungskatalog des Jahres 1910 einen Philatelisten Namens Schnabbe, der eine Umfangreiche Spezialsammlung der „Essener Privatpostwertzeichen“ der Öffentlichkeit präsentierte. 43 Jahre später trat wieder ein großer Essener Privatpostmarkensammler vor´s Fachpublikum: Mit seiner großangelegten Kollektion, deren Grundstein obiger Sparkassendirektor Schnabbe legte, errang Dr. Rech – hochbetagt – auf der Internationalen Briefmarkenausstellung, Frankfurt 1953 eine beachtliche Auszeichnung. Zwar beabsichtigte er, seine Sammlung dem Essener Heimatmuseum zu schenken, doch kam nach seinem Tod kein befriedigender Abschluß zustande. Auch ein Verkauf an einen Essener Sammler kam nicht zum Tragen, den immerhin hatte das Objekt einen geschätzten Wert von etwa 6000 DM, ein Preis, für den man Mitte der 1950er Jahre bereits ein Haus kaufen konnte … Auch heute gibt es noch die Möglichkeit, sich bei diversen Versendungen einer anderen Einrichtung als der Deutschen Bundespost zu bedienen. Private Paketbeförderungsunternehmen transportieren Pakete und Päckchen, die Bundesbahn hat mit ihrem IC-Kurierdienst die Möglichkeit geschaffen, kleinere Güter schnellstens mit Zügen zum Bestimmungsort zu bringen, und auch Stadtverwaltungen schicken meist ihre Angestellten, um Lohnsteuerkarten und Wahlbenachrichtigungen austragen zu lassen. In ganz bescheidenem Umfang lebt die alte „Privatpost“ heute weiter …

 

Essene Privatpost Kuba Ausgabe

1980: Noch einmal huldigte die Postverwaltung Kubas der Essener Privatpost

 

(1)„postmagazin“ Nr.2/1988

(2) Heinrich von Stephan „Geschichte der Preußischen Post“, 1859, S. 17

(3) Dr. Otto Dambach „Erläuterung zum Gesetz über das Postwesen des Deutschen
      Reiches vom 28.10.1871“, Berlin 1901, S. XVIII

(4) „die Stadt essen“, Verlag Beleke, Essen 1981, S. 26

(5) Lt. Adressbuch Bochum 1886

(6) Hansi Hungerige „250 Jahre Bochumer Postgeschichte 1737-1987“, Bochum 1987, S.141

(7) Quelle: Stadtarchiv Bochum, zg SII C4 „Postgeschichtliche Blätter der Bez.-Gruppe
     Dortmund“, Nr. 28, Dezember 1965

(8) Stadtarchiv Essen „Einrichtung einer Privat-Brief-Post in der Stadt Essen“,
       Rep. 102, Nr. 1257

(9) Auch hier irrt das Schmidt-Handbuch: Der dort angegebene Ersttag (17.10.1887) ist nicht haltbar, da ein Schreiben vom 18.10.1887 der Oberpostdirektion Düsseldorf an das Essener Oberbürgermeisteramt bereits von einem Bericht des Essener Postamtes spricht, wonach die Briefkästen die Bezeichnung „Privat-Stadt-Post“ tragen.  „Desgleichen sind die Werthzeichen und die Korrespondenzkarten des Unternehmers mit dem Worte ´Post´ bedruckt.“ Die Briefmarken haben sicherlich bereits am Eröffnungstage vorgelegen, denn wie hätten sonst die Sendungen frankiert werden sollen? Bare Gebühreneinnahmen sind nicht bekannt geworden.

(10) Auch hier irrt Hans Meier zu Eissen in seinem „Privatpostmarkenkatalog“,
       Band II, S. 391: er gibt den 23.Oktober 1897 an

(11) Bayrische Verkehrsblätter, 1897, S. 148

(12) Wie im Heft Nr. 3 der Schriftreihe der „Studiengruppe Privatpost“ im Bund
       Deutscher Philatelisten (1987) von H. Müller und H.G. Neubauer nachgewiesen.

(13) Vielfach fälschlich als „Rott“ zitiert

(14) H. und K. Geier „Die Privatposten in Würzburg: Tatsachen und Theorien“,
       Rundbrief der „Studiengruppe Privatpost“, Nr. 16,S.8 f

(15) Bericht vom 19.11.1897 aufgrund einer  Verfügung vom 5.11.1897.

Außerdem benutzte Ich:

  • Horst Müller „MICHEL – Katalog der Deutschen Privatpostmarken“
  • Hans Meier zu Eissen „Die deutschen Privatpostmarken“
  • Schmidt-Handbuch, 1939, Teil „Essen“

Eine um die philatelistische Seite dieses Themas erweiterte Fassung dieses Beitrages wird in einer Publikation der Studiengruppe „Privatpost“, Witten, erscheinen.